Junge Stimmen zur Weltklimakonferenz in Bonn 2017

Mit den Folgen des Klimawandels werden vor allem die zukünftigen Generationen zu kämpfen haben. Was denken junge Menschen aus der ganzen Welt über die Klimapolitik und die Klimaschutzaktivitäten in ihren Heimatstädten? 

Interviews durchgefürt von Hannes Lauer

Marielle Papin (PhD Studentin)

Aus welcher Stadt kommst du?
Quebec City, Kanada (Nordamerika)

Denkst du deine Stadt unternimmt genügend für die Bekämpfung des Klimawandels?
Ganz und gar nicht. Quebec ist eine typische nordamerikanische Stadt. Es ist eine Stadt mit einer großen Ausdehnung in die Fläche, aber eigentlich nur einer halben Million Einwohner*innen. Jeder hat ein oder mehrere Autos und man braucht sie tatsächlich auch zum Leben. Die Mobilität basiert komplett auch dem Auto. Ich komme ursprünglich aus Frankreich und bin diese Lebensart nicht gewohnt. Das hat auch Konsequenzen auf die Freizeit: Es ist zum Beispiel ganz normal, dass man seine Freizeit in den großen Shopping Mall verbringt – und natürlich fährt man dort mit dem Auto hin.

Das Seltsame ist, dass Quebec von Natur umgeben ist und die Menschen stolz darauf sind. Sie wissen, dass die Natur das Aushängeschild Quebecs ist. Trotzdem ist man noch nicht bereit seinen Lebensstil zu verändern.

Was kann getan werden? Was könnte deine Stadt für den Klimaschutz tun?
Wir brauchen auf jeden Fall bessere öffentliche Verkehrsmittel und eine andere Stadtentwicklung. Was auch erforderlich ist, ist mehr Bewusstseinsbildung und der Wille für Veränderungen zu sorgen.

Ist die Stadt die richtige Ebene im Kampf für mehr Nachhaltigkeit?
Die Welt ist komplex. Wir brauchen Handlungen auf verschiedenen Ebenen, um dieser Komplexität gerecht zu werden. Städte sind eine dieser wichtigen Handlungsebenen.

 

Jwalit Pandya (Student)

Aus welcher Stadt kommst du?
Quebec City, Kanada (Nordamerika)

Denkst du deine Stadt unternimmt genügend für die Bekämpfung des Klimawandels?
Nein! Unser größtes Problem ist der Verkehr. Wir haben zum Beispiel keine ernsthaften Fahrzeug- und Zulassungskontrollen.

Aber nicht alles ist schlecht. Wir haben auch ein paar gute Projekte am Laufen, zum Beispiel verschiedene Projekte im Bereich der Aufforstung.

Was kann getan werden? Was könnte deine Stadt für den Klimaschutz tun?
Wir brauchen dringend Lösungen für unser Verkehrsproblem. Auch die Industrie sollte den gesetzlichen Regeln besser Folge leisten. Denn, selbstverständlich gibt es Regeln und Gesetze, aber die meisten befolgen diese nicht.

Ist die Stadt die richtige Ebene im Kampf für mehr Nachhaltigkeit?
Ja. Veränderungen müssen vor Ort geschehen, dort wo die Menschen direkt betroffen sind.

Im Foto: Jwalit (rechts)

Jui Wen Chen (Ingenieur)

Aus welcher Stadt kommst du?
Los Angeles, USA

Denkst du deine Stadt unternimmt genügend für die Bekämpfung des Klimawandels?
Nein. Die Stadt versucht manches, aber es ist nicht genug. Der Staat Kalifornien ist sehr aktiv und versucht die anderen Akteure mit zu ziehen. Aber allein wenn man sich die Verkehrsproblematik in LA ansieht - jeder hat ein Auto und ist so abhängig davon. Ich denke, das sagt einiges über die Stadt und ihren Kampf gegen den Klimawandel aus.

Was kann getan werden? Was könnte deine Stadt für den Klimaschutz tun?
Die Reduktion der Treibhausgase geht viel zu langsam von Statten. Ich bin eher pessimistisch was unsere Klimaziele angeht. Daher hat für mich die Anpassung sogar eine höhere Priorität - und daran arbeiten wir. Eine Lösung wäre neue Infrastruktur zu bauen. Wir haben Fahrbahnen entwickelt, die Wasser absorbieren wenn es regnet und so Überschwemmungen verhindern. Zusätzlich wird unterhalb der Fahrbahn das Wasser in Auffangbechern gespeichert, um es in Zeiten von Wassermangel zu verwenden – die Fahrbahn wirk wie ein Schwamm.

Ist die Stadt die richtige Ebene im Kampf für mehr Nachhaltigkeit?
Auf jeden Fall, dort müssen wir ansetzen und auch an einer neuen Infrastruktur arbeiten.

 

Anne (Forstwirtschaftliches Weltzentrum (ICRAF))

Aus welcher Stadt kommst du?
Nairobi, Kenia

Denkst du deine Stadt unternimmt genügend für die Bekämpfung des Klimawandels?
Nein, nicht dass ich wüsste. Aber nicht alles ist schlecht, es gibt auch ein paar positive Beispiele: Wir haben Wälder mitten in der Stadt, einer, der Karura Wald ist sogar sehr berühmt. Es gab Pläne ihn zu zerstören, aber die Bevölkerung kämpfte für den Wald und nun bleibt er bestehen. Zudem haben wir sogar einen Nationalpark mitten in der Stadt. Aber außer solchen einzelnen positiven Beispiel sehe ich keine gezielten Handlungen zur CO2 Reduzierung. Ich habe das Gefühl, dass nicht viel in dieser Hinsicht geschieht.

Was kann getan werden? Was könnte deine Stadt für den Klimaschutz tun?
Das erste was ich verbessern würde, ist unser Verkehrssystem. Leider tut sich hier aber sehr wenig.

Ist die Stadt die richtige Ebene im Kampf für mehr Nachhaltigkeit?
Ich denke es ist wichtig, dass die politischen Rahmenbedingungen auf der nationalen Ebene gesetzt werden. Diese Rahmenbedingungen beeinflussen dann alle anderen Ebenen. Auf der untersten Ebene brauchen wir dann konkrete Handlungen – also in den Städten!

Im Foto: Anne

Kathia Roman (Studentin)

Aus welcher Stadt kommst du?
Fortaleza, Brasilien 

Denkst du deine Stadt unternimmt genügend für die Bekämpfung des Klimawandels?
Nein. Besonders die Umsetzung der Politik ist schwierig. Politiker*innen schauen eher auf die nächsten Wahlen, als auf das Thema oder das Problem selbst.

Was kann getan werden? Was könnte deine Stadt für den Klimaschutz tun?
Zuerst brauchen wir mehr Umweltbildung. Die zukünftige Generation könnte dann Politiker*innen beeinflussen und mehr Druck ausüben um die rechtlichen Rahmenbedingungen zu etablieren. Das Problem ist, dass alle zuerst denken, der Schutz der Umwelt koste nur Geld man bekomme nichts zurück.

Ist die Stadt die richtige Ebene im Kampf für mehr Nachhaltigkeit?
Städte und Kommunen sind die kleinste Einheit. Brasilien ist so groß, dass nur die Städte die Chance haben die Leute zu erreichen. Von der nationalen Ebene ist es sehr schwer die Leute zu erreichen und ihre Bedürfnisse zu befriedigen - vor allen in einem so großen Land.

 

Fran (Studentin)

Aus welcher Stadt kommst du?
Leister, UK

Denkst du deine Stadt unternimmt genügend für die Bekämpfung des Klimawandels?
Nein. Es gab diese „Grüne-Stadt-Initiative“, aber nichts Neues ist passiert, nichts ist sichtbar. Die Luftverschmutzung ist ein großes Problem, die Fahrradwege sind schlecht, vieles ist schlecht beim Thema Klimaschutz!

Was kann getan werden? Was könnte deine Stadt für den Klimaschutz tun?
Ein wichtiger Ansatzpunkt wäre es an der Dezentralisierung zu arbeiten und für bessere Verbindungen zwischen den Orten und Stadtteilen zu sorgen. Man könnte auch über Beschränkungen für die Autos im Stadtzentrum nachdenken. Auf jeden Fall brauchen wir auch mehr Investitionen in erneuerbare Energien, aber hier ist man auch wieder von der nationalen Politik abhängig.

Ist die Stadt die richtige Ebene im Kampf für mehr Nachhaltigkeit?
Das ist eine gute Frage und ich bin ein bisschen zwiegespalten. Städte sind groß genug, um Veränderungen sichtbar zu machen und klein genug, um die Bürokratie außen vorzulassen. Deshalb sind Städte der richtige Punkt für Veränderungen. Andererseits bin ich mir nicht sicher, ob der Wandel in Städten ausreicht. Ich bin mir zum Beispiel nicht sicher, ob Ökostädte wirklich wirksam sein können und auf einen größeren Kontext übertragbar sind. Jedenfalls sind Städte die Ebene auf der man Demokratie am direktesten spüren kann, wo Demokratie zum Tragen kommt. Das ist etwas Gutes!

Im Foto: Fran (links)