Städte und Gemeinden für mehr Klimagerechtigkeit

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Radolfzell am Bodensee (DE) beschließt finanzielle Unterstützung für indigene Völker Amazoniens

Ob illegale Rodungen und Bergbau oder Bedrohungen für Leib und Leben – die indigenen Völker im Amazonasgebiet sowie ihre Territorien sind zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Seit mehr als 30 Jahren unterstützt das Klima-Bündnis seine indigenen Partner*innen und ermutigt seine Mitglieder in Europa, Klimagerechtigkeit auf lokaler Ebene zu fördern. Die Große Kreisstadt Radolfzell am Bodensee agiert und zeigt, wie lokale Unterstützung für indigene Völker aussehen kann.  

„Als Mitglied im Klima-Bündnis bestärken wir unser Engagement im Klimaschutz. Um unseren Wirkungsbereich von einer lokalen auf eine globale Ebene auszudehnen, haben wir uns dazu entschieden, Projekte im Amazonasgebiet finanziell zu unterstützen“, erläutert Sarah Wilm, Klimaschutzmanagerin der Stadt Radolfzell, die Beweggründe für den Beschluss der Stadt. „Konkret haben die Stadträt*innen im November 2021 beschlossen, in den nächsten vier Jahren 1 Euro pro Einwohner*in für die Arbeit im Klimagerechtigkeitsbereich zu spenden“, erklärt Sarah Wilm weiter. Insgesamt ergibt das eine stolze Spendensumme von 31.216 Euro pro Jahr. Diese Summe fließt direkt in zwei der Klima-Bündnis-Fonds für Amazonien: den Erneuerbaren-Energie-Fonds und den Rechtshilfefonds.

„Klimaschutz ist eine große gesellschaftliche Herausforderung, und auch die Kommunen sind hier in der Pflicht, zu handeln – auch auf globaler Ebene“, betont Radolfzells Oberbürgermeister Simon Gröger. „Die Stadt Radolfzell ist sich ihrer Verantwortung bewusst und möchten ihren Beitrag dazu leisten“, so Gröger weiter.

Mit dem Energiefonds unterstützt das Klima-Bündnis die Energiestrategie der COICA, langjähriger Partner des Netzwerks und Dachverband der indigenen Völker Amazoniens. Um eine Grundversorgung mit Strom durch erneuerbare Energien zu ermöglichen, arbeitet die COICA an Lösungen, wie bspw. Solarlampen oder solarbetriebene Boote. Diese Ansätze führen nicht nur zu sauberer sondern auch kostengünstigerer Energie und können häufig von den Gemeinden selbst vor Ort umgesetzt werden. 2/3 der Unterstützung von Radolfzell fließen ab sofort in diesen Fonds. Durch den Rechtshilfefonds des Klima-Bündnis hingegen unterstützt die Stadt die indigenen Partner*innen des Netzwerks mit mehr als 10.000 Euro jährlich bei der Sicherung ihrer grundlegenden Rechte und ermöglicht ihnen Zugang zu Rechtshilfe – insbesondere im Kampf um die Anerkennung ihrer Eigentumsrechte auf ihr traditionell genutztes Land. Der Fonds finanziert Rechtsanwalt- und Verfahrenskosten und konnte bereits Freisprüche für mehrere indigene Vertreter*innen erzielen.

„Die Resonanz war durchweg positiv und die Wichtigkeit war allen bewusst“, kommentiert Sarah Wilm das Feedback aus dem Stadtrat. Dennoch gab es Bedenken, wie das Vorhaben in den Haushalt passt. Da alle Parteien fest davon überzeugt waren, dass das Projekt umgesetzt werden soll, hat man sich darauf geeinigt, die Maßnahme ein Jahr später, in 2022, umzusetzen und frühzeitig die entsprechenden Haushaltsmittel zur Verfügung zu stellen. So konnte das Spendenprojekt einstimmig im Umweltausschuss verabschiedet werden.

Das Beispiel aus Radolfzell am Bodensee zeigt, in welcher Form Städte und Gemeinden Klimaverantwortung übernehmen und mit indigenen Völkern für den Schutz Amazoniens zusammenarbeiten können. Dies spiegelt die Grundidee des Klima-Bündnis wieder – Brücken zwischen indigenen Gemeinden und europäischen Kommunen zu bauen, um mehr Klimagerechtigkeit für alle zu ermöglichen.

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geschrieben August 2022