30 Jahre nachhaltiger Energie

Dr. Werner Neumann spricht über die strategische Bedeutung des kommunalen Klimaschutzes für die Energiewende

Energie ist ein Kernaspekt im Klimaschutz und war seit Beginn ein Fokusthema des Klima-Bündnis. 30 Jahre Klima-Bündnis geben daher auch Anlass auf 30 Jahre Arbeit im Bereich nachhaltiger Energie zu blicken. Was ist bisher passiert, welche Rolle spielen die Kommunen dabei und wohin muss die Reise gehen? Diesen Fragen gehen wir gemeinsam mit Werner Neumann auf den Grund, der von Beginn an eng mit dem Klima-Bündnis verbunden ist. Von 1992 bis 2013 leitete er das Energiereferat (Kommunale Klimaschutz-Agentur) der Stadt Frankfurt am Main. Die Stadt ist Gründungsmitglied des Klima-Bündnis, das unter anderem von dem damaligen Frankfurter Umweltdezernenten Tom Koenigs ins Leben gerufen wurde.

„Wir haben damals den kommunalen Klimaschutz erfunden! Denn zuvor dachte die Politik, Klimaschutz findet, wie leider immer noch manche denken, nur auf Bundesebene oder im Himmel statt“, betont Werner Neumann. Kleinste Kommunen und Großstädte zeigten mit dem Klima-Bündnis, dass letztlich die Umsetzung vor Ort entscheidend ist. Dies war eng mit dem Kampf für kommunale Klimaschutzregelungen verknüpft, die heute noch immer im Baugesetzbuch und der Energieeinsparverordnung fehlen.

Einen Satz hat Werner Neumann früher stets der Presse gesagt: „Klimaschutz macht Spaß!“ Die technischen Lösungen seien vorhanden und trotz vieler Hemmnisse wirtschaftlich. „Es gilt, die Aktionen zu organisieren – ob nun Eisblockwette, Fifty-Fifty-Einsparförderungen oder Energiemanagement“, meint Neumann. Dabei sieht er die Kommunen als Laboratorium des Klimaschutzes. „Auch das Erneuerbare-Energien-Gesetz hatte seine Wurzeln in einigen Kommunen, die die kostendeckende Solarvergütung einführten. Kommunales Energiemanagement für eigene Gebäude und für die Vermittlung, Beratung und klimaschützende Bauleitplanung sind die Kernbausteine, die Pflicht und Recht der Kommunen sein müssen. Damit sind die Grundpfeiler der dezentralen Energiewende in Bürgerhand, ob nun mit Genossenschaften oder Stadtwerken“, erklärt Werner Neumann.

Auch die „Masterpläne 100% erneuerbare Energie“ sind Elemente einer zellularen Struktur: Ob im Haus, im Stadtteil oder in der Kommune – eine vollständige erneuerbare und effiziente Energieversorgung beruht nach Werner Neumann auf der weitgehenden Nutzung lokaler Ressourcen und fairem Energieausgleich zwischen Stadt und Land. Um den Weg für die Energiewende frei zu machen, benennt er einen wichtigen strategischen Aspekt: „Wenn der wirtschaftliche Energiedialog zwischen Energienutzern und –verbrauchern (Prosumer), zwischen Eigenverbrauch und Verkauf von Strom und Wärme zwischen Mietern, Hauseigentümern oder kommunalen Gebäuden zugunsten von Großkonzernen behindert wird, wird schnell klar, wo wir ansetzen müssen.“

Werner Neumann sieht in der Gemeinschaft den Schlüssel zum Erfolg der Ener-giewende: „Die Energiewende als Gemeinschaftswerk, wie es die Ethikkommission 2013 formulierte, braucht die Kommunen als aktive, kompetente und vorantreibende Kraft. Das Klima-Bündnis ist hierfür die Basis, denn ‚Kommune‘ kommt von ‚gemeinschaftlich‘. Kommunaler Klimaschutz – nie war er so wertvoll wie heute!“