30 Jahre nachhaltige Mobilität

André Muno spricht über Mobilität als Schlüssel zu nachhaltigem Klimaschutz auf lokaler Ebene

30 Jahre Klima-Bündnis bedeutet auch 30 Jahre Stärkung des Bewusstseins für Klimaschutz – vor allem mit Hilfe von aufmerksamkeitsstarken Kampagnen. Das Themenportfolio an Kampagnen wuchs mit zunehmender Erfahrung, insbesondere ein Schwerpunkt stand dabei stets im Fokus: Nachhaltige Mobilität.

Mobilität ist ein Schlüsselelement für nachhaltigen Klimaschutz auf der lokalen Ebene. Doch wie hat sich dieser Aspekt in den letzten 30 Jahren verändert und welches Potential liegt hier noch verborgen im Hinblick auf die kommenden Jahrzehnte? Wir sprechen mit einem Experten im Klima-Bündnis. André Muno ist Projektleiter für das STADTRADELN, eine Erfolgsgeschichte des Klima-Bündnis und heute die weltweit größte Kampagne zum Thema Radverkehr. Die STADTRADELN-Kampagne wurde 2008 initiiert. Seither hat sich hinsichtlich nachhaltiger Mobilität einiges getan.

„Anfänglich mussten wir noch große Überzeugungsarbeit leisten, warum es des STADTRADELN überhaupt bedarf. Auf Seiten der Kommunen sah man oftmals keine Notwendigkeit für sogenannte nichtinvestive Maßnahmen wie Öffentlichkeitsarbeit für den Radverkehr oder nachhaltige Mobilität. Das hat sich fundamental geändert. Kommunen geraten nun in Erklärungsnöte, wenn keine diesbezüglichen Maßnahmen ergriffen werden. Generell ist die Bevölkerung bei diesem Thema anspruchsvoller geworden: Wenn zum Beispiel ein einfacher Schutzstreifen auf die Fahrbahn aufgetragen wird, so ist das kein Grund zu überschwänglicher Freude mehr nach dem Motto „immerhin!“. Vielmehr erwarten die Menschen eine Radinfrastruktur, die ihrem Sicherheits- und Qualitätsempfinden gerecht wird. Der Ausbau der Radinfrastruktur (oder nachhaltige Mobilität) soll in den Augen vieler Menschen den Stellenwert bekommen, wie es über Jahrzehnte beim motorisierten Individualverkehr – also beim Auto – der Fall war.“, kommentiert der STADTRADELN-Projektleiter die Entwicklung der letzten Jahre.

Aufmerksamkeitsstarke Kampagnen können dabei helfen, nachhaltige Mobilität weiter zu stärken. „Das ist deshalb wichtig, weil die Verkehrswende im Kopf beginnt: Bürger*innen und Kommunen müssen nicht nur davon überzeugt sein, dass das Rad theoretisch eine gute Alternative zum Auto ist, sie müssen so überzeugt sein, dass Maßnahmen zur Verbesserung der Radinfrastruktur auf ausreichend gesellschaftliche Akzeptanz treffen.“, meint André Muno. Die STADTRADELN-Kampagne spricht daher neben Bürger*innen auch die Politik an, um das Thema Radverkehrsförderung direkt auf die politische Agenda zu bringen. „Um die Radinfrastruktur dann auch gezielt zu verbessern, helfen wir Kommunen dabei, auf das Wissen ihrer Bürger*innen als Radexpert*innen des Alltags zurückzugreifen. Über die Meldeplattform RADar! können Radelnde ihrer Verwaltung unkompliziert Verbesserungshinweise bezüglich der Infrastruktur geben. Im Forschungsprojekt MOVEBIS (vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur finanziert, Anm.d.Red.) werden die gefahrenen Wege der Radler*innen wissenschaftlich ausgewertet und die Erkenntnisse in einem Online-Tool den Kommunen für die Radverkehrsplanung bereitgestellt.“, erklärt André Muno weiter.

Beim Blick in die Zukunft zeigt sich, dass der Radverkehr großes Potential in Bezug auf den Ausbau nachhaltiger Mobilität hat. „Etwa 50 % der mit dem PKW zurückgelegten Wege sind unter fünf Kilometer lang – 25 % sind sogar kürzer als drei Kilometer. Allein diese Zahlen verdeutlichen das gewaltige Potential des Radverkehrs.“, sagt André Muno. Auch E-Bikes und elektrisch unterstützte Lastenfahrräder können zukünftig eine wichtige Rolle spielen. Für das STADTRADELN-Team steht fest, was sich zukünftig ändern muss: „Zwei Dinge sind u.E. entscheidend, um dieses Potential weiter auszuschöpfen: Eingefahrenes Mobilitätsverhalten muss sich ändern und verkrustete Geisteshaltungen – vornehmlich in Verwaltung und Politik – müssen aufgebrochen werden, damit die Infrastruktur zukunftsorientiert den neuen Anforderungen angepasst wird – und genau hier setzt STADTRADELN für den Radverkehr an.“